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"Es ist ungewiss!"

Verlag am Birnbach 0057-4800-7-03

So hören wir aktuell an vielen Stellen: ungewiss, wie sich die aktuelle Situation weiterentwickelt. Ungewiss, ob es gelingt, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Ungewiss, ob das öffentliche Leben nach Ostern schon wieder langsam normalisiert werden kann.
Wir alle leiden an dieser Ungewissheit, die uns in vielen Dimensionen unseres Lebens betrifft: Wann können wir als Großfamilien wieder zusammenkommen? Wann wird der Zeitpunkt sein für aufgeschobene Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten, Geburtstage? Werde ich selber erkranken?
Wir Christinnen und Christen denken in diesen Wochen über das Leiden Jesu nach, über seinen Weg ans Kreuz, sein Sterben, seinen Tod. Wir erfahren in den Passionserzählungen aber auch etwas über die, die ihn begleitet haben, die ihm gefolgt sind, ihm vertraut haben und – da sie sein vermeintliches Scheitern sahen – unsicher wurden:
„War das wirklich der Messias? War es wirklich richtig, ihm zu folgen?“ „Kreuzige! Kreuzige!“ so hat das Volk geschrien, weil es sich hat abbringen lassen vom Vertrauen auf Jesus, den Christus. Petrus hat gezweifelt, der Hahn hat gekräht: „Jesus kenne ich nicht.“ Nur wenige haben ausgehalten.
Für die, die ihr Leben an Jesus gehängt haben, wird sein Tod zur Infragestellung des eigenen Lebens: „Was wird werden, jetzt, da Jesus nicht mehr da ist?“ Jesus ist in den Tod gegangen, seine Jünger fühlten sich allein, ver-lassen, orientierungslos. Ungewisse Zukunft, ungewisse Überzeugungen. –
Ostern ist das Fest der großen Gewissheit: Jesus lebt. Gott ist stärker als der Tod. Jesus erscheint den Frauen am Grab, er begegnet den Jüngern, begleitet die Trauernden auf dem Weg nach Emmaus. Er ist da in aller Trauer. Da beginnt das, was wir Evangelium nennen, gute Botschaft: Ostern wird verkündigt, der Sieg Gottes über den Tod wird gefeiert und weitergesagt.
Ein Sieg gegen die letzte Ungewissheit des Todes: Das letzte Wort kennen wir, das letzte Wort spricht Gott, der in der Schöpfung das „Es werde“ sprach, der spricht es auch in den Tod hinein.
Leben wird weiter leidvoll sein können. Leben wird weiter Einschränkungen und Ungewissheiten ausgesetzt sein. Leben wird weiter krank werden können. Und wir werden weiter Menschen in den Tod verlieren.
Doch diese Gewissheit von Ostern, die steht fest inmitten aller Zweifel und Fragen: Auch in den Tod hinein spricht Gott sein Wort des Lebens.

Paulus formuliert dieses Evangelium so:

Ich bin gewiss,
dass weder Tod noch Leben,
weder Engel noch Mächte noch Gewalten,
weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,
weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur
uns scheiden kann von der Liebe Gottes,
die in Christus Jesus ist, unserm Herrn."

(Römer 8, 38-39)

In dieser Gewissheit lassen Sie uns gemeinsam die Ungewissheiten dieser Zeit aushalten und in dieser Gewissheit lassen Sie uns gemeinsam verwirklichen, dass wir eine Gemeinde sind, die sich im Blick hat, die füreinander sorgt, die auf die Zukunft hofft und nicht aufgibt, die Gewissheit der Osterbotschaft weiterzusagen und sie zu feiern.
Amen
Pfarrer Christoph Nooke

 

 

"Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat!

(1. Petrus 4, 10) (Monatsspruch Mai 2020)

Diesen Vers aus dem ersten Petrusbrief habe ich oft als Trauspruch in Hochzeitspredigten ausgelegt, also für ein Brautpaar, und mit Blick auf die Zukunft. Jetzt aber wähle ich den Bibelvers als Thema für einen Blick zurück auf Vergangenes, und ich sehe dabei nicht nur auf ein Brautpaar, sondern auf eine ganze Gemeinde. Ja, es ist ein gutes Motto für meinen Rückblick auf 15 Monate pastoralen Gastdienstes in der Evangelischen Kirchengemeinde Roxel-Albachten-Bösensell.
Denn hier habe ich erlebt, wie das realisiert wird, wovon der Petrustext spricht. In einer schwierigen Übergangszeit (kein ständiger Pfarrer vor Ort, kein Gemeindezentrum in Roxel) haben so viele Evangelische ihre Gaben und ihre Zeit für die Gemeinde eingesetzt, als Küsterinnen und Gemeindebrief-Verteiler, als Mitwirkende in Gottesdiensten, Besuchsdiensten, Gruppen, Gremien, in Jugend- und Altenarbeit – leitend, begleitend, dienend, inspirierend, beratend, ausführend. Die meisten taten und tun ihren Dienst ehrenamtlich, aber nicht um der Ehre willen, sondern um die Gemeinschaft zu stärken, um das Wort Gottes zu bezeugen und um die Liebe Christi weiterzugeben. Die große Zahl der Dienstbereiten, die Vielfalt der Begabungen und das hohe Engagement haben mich tief beeindruckt.
Von guten „Verwaltern“ spricht die Bibel. Ja, die Verwaltung spielt heutzutage eine große Rolle in der Kirchengemeinde. Die Presbyter und die Gemeindesekretärin wissen ein Lied davon zu singen. Aber auch das hat mich beeindruckt: In dieser Gemeinde beschränkt sich die Leitung nicht darauf, den Status Quo zu verwalten, sondern sie ist bereit, Neues zu wagen, Veränderungen anzupacken und die Weichen für das Gemeindeleben der Zukunft zu stellen.
Das Wort „Gnade“ klingt nach Gericht und Rechtsprechung. Aber sprechen wir nicht auch von einem „begnadeten“ Künstler? Wir meinen damit einen mit Talent reich beschenkten Menschen. Die Bibel sagt also: Begreift Euch als von Gott reich beschenkte Menschen und lasst andere Menschen spüren, dass Gott auch sie liebt und beschenkt.
Mit wie vielen Talenten ist auch Ihre Gemeinde hier beschenkt und begabt! Ich kann sie nicht alle aufzählen. Und wie beherzt werden diese Talente eingebracht! Wenn kein Hauptamtlicher da ist, dann leitet eben eine Ehrenamtliche den Gemeindegottesdienst am Sonntag. Und der ehrenamtliche Kirchenvorstand (Presbyterium) wird auch ehrenamtlich geleitet. Eigens erwähnen möchte ich auch die Gabe der Gastfreundschaft: Nach den Gottesdiensten steht meist schon die Kaffeekanne parat, und auf den Tischen laden selbstgebackene Köstlichkeiten zum Bleiben ein und zum Gespräch. Das ist eine Besonderheit, die meiner Frau und mir hier sehr positiv aufgefallen ist.
Und noch etwas ist wichtig im Rückblick: Die enge, reibungslose, ja freundschaftliche Zusammenarbeit mit meinem Kollegen im pastoralen Gastdienst, Herrn Pfarrer Dr. Christoph Nooke, war mir eine sehr große Freude.
Also: Ein großes Kompliment an diese Gemeinde, in der die Ehrenamtlichen so entschlossen, so treu, so einsatzbereit und enttäuschungsfest das Ruder in der Hand halten! Und einen Glückwunsch an den neuen Pfarrer, wer auch immer gewählt wird: Er findet in Bösensell, Albachten und Roxel eine lebendige Gemeinschaft von Christen, die bereit sind, einander zu dienen als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes.

Johannes Krause-Isermann